Künstlerische Forschung

Juergen Ropp

Jürgen Ropp, geboren 1983 ist ein derzeit in Linz lebender Medienkünstler, der sich an der Grenze zwischen Kunst und Naturwissenschaft bewegt. Er versteht die erkenntnistheoretischen Limitierungen der modernen Physik als Nährboden seines künstlerischen Ausdrucks und erforscht die Implikationen der zugrundeliegenden Theorien. Daraus entstehen interaktive Artefakte oder audiovisuelle Erfahrungen, die sich technologischer Hilfsmittel bedienen, um einen speziellen Zusammenhang frei von wissenschaftlichen Formalismen zu interpretieren.

Damit sieht er sich mehr im Feld der künstlerischen Forschung, die aber ohne experimentellen Zugang auch nicht weit führen würde, wobei das Ergebnis in seinem Fall nicht auf eine wissenschaftliche Erkenntnis abzielt. Ein Beispiel in dem Chaos tragende Rolle gespielt hat findet sich hier:

Die Grundlage bildet ein von außen durch Magnete manipuliertes Ferrofluid in einer Trägerflüssigkeit (kein linearer Zugriff auf das Basismaterial), dessen Bewegungen quasi-willkürliche MIDI-Noten erzeugen, die durch - von einem Datenhandschuh gesteuerte VST-Synthesizer Parameter - verformt werden können.

http://juergenropp.at/projects/black-hole/

Ein weiteres Beispiel seines Schaffens, die Auseinandersetzung mit der Frage wie Antimaterie auf Gravitation reagiert (noch nicht vollkommen gelöst - siehe AEGIS-CERN), findet sich hier. Das Projekt mit dem Titel “metrySym” entstand im Rahmen einer Residency des European Digital Art and Science Networks im Etopia Center for Art and Technology in Zaragoza in Zusammenarbeit mit Marta Perez Campos.

Diese Arbeit versucht die zugrundeliegende physikalische Fragestellung mit einem ästhetischen, interaktiven Zugang dem Publikum erfahrbar zu machen. Der naturgegebenen Limitierung, dass Antimaterie im Moment der Berührung mit Materie in einem Energieausbruch zerstrahlt, wird mittels einem durch Elektromagnetismus in Schwebe gehaltenen Objekt, welches in Form eines Apfels auch die Verbindung zu Gravitation herstellt, entsprochen. Die zwar auf eine gewisse Art symmetrische, aber doch invertierte Eigenschaft von Antimaterie wird in den Negativfarben des Apfels und dem darüberliegenden Spiegel auf zwei weiteren Ebenen fortgesetzt. zusätzlich kann über eine berührungslose Interaktion die Bewegung des Apfels auf zwei Ebenen gesteuert werden.

http://juergenropp.at/projects/metrysym/

Ein aktuelles Werk, das sich mit den Implikationen der Theorien rund um Schwarze Löcher beschäftigt ist “Sagittarius A*”.

Der hier behandelte wissenschaftliche Gedanke dreht sich um das Konzept der Einstein-Rosen-Brücke, die eine theoretische Möglichkeit zeigt Singularitäten der Raumzeit als Korridore in andere Plätze unseres Universums, oder vielleicht auch Paralleluniversen zu sehen. Damit bietet sich diese Installation auch als Spiegel von Möglichkeiten, der eine Reflexion über eigene Vorstellungen zulässt, an. Die Frage, was am anderen Ende der dargestellten Raumzeitverzweigungen warten könnte soll aber nicht nur zu Rückschlüssen führen, sondern auch als Einstiegspunkt zu freiem Fluss von Ideen führen. In einer weiteren Iteration dieses Prototyps werden Sternmuster als Grundlage für die Verzerrungen der Raumzeittunnel genutzt und weiters sonifiziert, um einen ganzheitlich ästhetischen Eindruck zu schaffen.