DER EVENT: DAS GIS Orchestra

Performance: A Quantum of GIS

Event am 8.9.2018 - STWST48x4

In einer Live Performance werden die Musikerinnen des GIS Orchestra in Echtzeit vom atomaren Zerfall des Elements Americium und der dadurch entstehenden Alphastrahlung dirigiert. Das bietet die Möglichkeit Ereignisse die in subatomaren Bereichen stattfinden im Augenblick musikalisch wahrzunehmen. Dazu ist es nötig Personen einen geigneten Rahmen zur Verfügung zu stellen in dem sie diese Ereignisse einordnen können. In der Unterhaltungsmusik geschieht dies über den Takt. Der Takt ermöglicht eine Synchronisation und (Vor-)Ankündigung der Gegenwart. Der Takt löst damit intensives emotionales Empfinden aus.

Im Laufe der Musikgeschichte und der technologischen Entwicklung der Gesellschaft lässt sich eine Beschleunigung des Taktes beobachten die in ihren extremsten formen speed, gabba und hard tekkno Geschwindigkeiten von 180 beats per minute und darüberhinaus hervorbringt und dabei das Gefühl der Gegenwärtigkeit bzw. der schnelleren Gegenwärtigkeit vermittelt und verstärkt.

Bei der Aufführung des Gis-Orchesters wird der Takt der Schlagzeug und Bass Sektion immer wieder über GPS und einen Zeitserver synchronisiert. GPS bietet mit einer Abweichung von 4nsec das genaueste System um davon über ein Vielfaches dieses Taktes über einen musikalischen Takt an die MusikerInnen weiter zu geben. Dabei spielt die Geschwindigkeit des musikalischen Taktes eine untergeordnete Rolle. Durch das unbewusste Einschwingen in diesen Takt wird die Synchronisation mit dem Blöcken des Rauschgenerators geschaffen.

Für die Direktion der melodiegebenden Instrumente des Gis-Orchesters wird eine umgebaute Webcam verwendet. Der Cmos-Chip der Kamera wird dabei nicht über Photonen sondern über Americium Protonen eines Rauchmelders belichtet und bildetet somit die Quelle des Zufalls. Die MusikerInnen reagieren auf Muster des atomaren Zerfalls die auf eine Leinwand projiziert werden.

Das GIS Orchestra (Go for Improvised Sounds) arbeitet mit dem Prinzip der dirigierten Improvisation. Eine Reihe vorab vereinbarter Signale koordinieren das Zusammenspiel einer rund 20-köpfigen Besetzung. Die jeweils dirigierende Person ist gleichsam die Architektin des musikalischen Prozesses, sie entwirft den Grundriss, während die MusikerInnen die definierten Spielräume nach freiem Ermessen gestalten. Auf diese Weise lassen sich - auch in einer solchen Großformation - individuelle Spontanität und konturiertes Klangerlebnis miteinander verbinden und wechselseitig befeuern.

In der Performance „Ein Quäntchen GIS“ wird die Rolle des Dirigenten in Teilen von der global synchronisierten GPS Zeitmessung und dem spontanen atomaren Zerfall übernommen.

KOORDINATION: Tim Boyket, Rainer Fehlinger, Gigi Gratt