Ein Rauschen das blauer nicht sein könnte

Christina Gruber

Das Rauschen der Donau wird durch ihre Installation am Symposiongelände zu hören sein.

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Wie entstehen Erinnerungen und wie werden Momente zu Monumenten?

2004 fand die erste Quantenteleportation außerhalb eines Labors über eine Entfernung von 600 m statt. Das Team, um den Wissenschaftler Anton Zeilinger absolvierte das Experiment an, besser gesagt unter, der Donau in Wien. Startpunkt Alice befand sich auf der Donauinsel, die zum Hochwasserschutz errichtet wurde, das Ziel Bob am Festland. Ein Glasfaserkabel, notwendig für die Übertragung, wurde unterhalb der Donau in einem ehemaligem Abwasserkanal verlegt. Während der Teleportation wurden gleichzeitig zwei Zustände übermittelt. Dieses Phänomen löst theoretisch das Problem der Datenleitung und die Übertragungsdauer beträgt Null. Es lässt sich von der „0-time“ sprechen. Ein Paar Photonen wurde mit Hilfe eines Bariumboratkristalls generiert und verschränkt. Das einzelne Photon fühlte nun die Einflüsse des mit ihm verschränkten, obwohl keine physisce Verbindung bestand. Drei spezifische Zustände wurden über die Donau hinweg teleportiert.

Nur im dazwischen und dem niemals wirklichem Ankommen kann ein Wechsel im Zeit-Raum-Kontinuum stattfinden. Die Reise entlang eines Flusses wird zu einer zeitgenössischen Form von Captain Kirk und Scotty: lost in translation, oder lost in teleportation; Stückchen des eigenen Ichs bleiben entlang des Flusses zurück, andere kommen hinzu. Man ist niemals gänzlich angekommen aber in konstantem Wandel. Die Teleportation verdeutlicht diese Ausweitung des Raumes und die erfolgreiche Überwindung des Raum-Zeit Gefüges nach Aristoteles. Diese Art der Reise birgt ein besonderes Risiko: die Zersetzung in die einzelnen Atome an einem Ort und die Zusammensetzung an einem anderen. Douglas Adams beschrieb dieses Problem schon in seinem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ aus dem Jahre 1981. Das Leben an und mit einem Fluss bedeutet auch, dass man zu einem Großteil selbst der Fluss wird. Durch das Trinken des Leitungswassers in New Orleans wurde ich zu 80% der Mississippi und im Donaudelta die Donau. Teile davon machten mich krank, andere stärker, aber vor allem ließen sie mich die Macht des Flusses begreifen, die als leises Rauschen begann und sich stetig näherte. Durch die Übertragung des Donaurauschens wird die Gleichzeitigkeit hörbar. Das Rauschen steht zum einen für die geglückte Quantenteleportation, zum anderen für den Fluss und seinen Einfluss auf uns.

Wir rauschen nicht nur in Lindabrunn, sondern auch gleichzeitig in Linz, in der Kulturtankstelle einem Coop-Lab, in dem Christina Gruber ein interdisziplinäres Forschungsprojekt durchführt. In ihrem Donaulabor nähert sie sich der Beziehung der Linzer Bevölkerung zur Donau. Verbindungen zu anderen Flüssen werden hergestellt und ein weltweites Netz aus Verbindungen wird gesponnen. Basierend auf Abseits der physischen Orte an denen die Übertragung stattfindet ist das Donaurauschen auch im digitalen Raum abrufbar. Somit losgelöst von Zeit und Raum und über diese Gegebenheiten erhaben.

Reisen an unterschiedlichen Flüssen und die intensive Auseinandersetzung mit Land Loss im Mississippi Delta, haben mich zu Unterwasseraufnahmen geführt. Da sie es mir ermöglichen einen Moment, der unwiederbringlich ist einzufangen. Somit findet ein alternativer Kartierungsprozess statt. In einer anschließenden Reise die Donau entlang wurde diese Methode fortgesetzt. Donaurauschen beschäftigt sich mit den Fragen was hören wir und was wollen wir hören? Das Unsichtbare

Idee & Konzept: Christina Gruber, technische Umsetzung & Programmierung: Gottfried Gaisbauer, technische Umsetzung & Equipment: Simon Graf, Dank an Franz Xaver, Stadtwerkstatt Linz und servus.at für die Nutzung der Boje