Warum Entropie notendig ist und warum Kunst Information aus dem Nichts entwickeln kann

Prozesskunst vs Medienkunst

Der Arbeitsbereich Rausch-Computer-Kunst hatte für mich den Ursprung in der Medienkunst der 80iger Jahre. Es ging damals in der Medienkunst keinesfalls um Grafik, es ging um keine Bild- oder Soundkompositionen. Es ging um die ersten rekursiven Prozesse in der Kunst. Prozesse, die auf sich selber referenzierten, wiederholten und dabei veränderten. Dies interferierte mit Marshall Mc Luhan „The Medium is the Massage“. Medienkunst ist für mich deshalb in das Genre der Prozesskunst einzuordnen. Ein weiterer Meilenstein, der diesen Arbeitsbereich beschrieb, war „Goedel, Escher, Bach“ von Douglas Hofstadter. 30 Jahre nach diesen Utopien leben wir in einer Informationsgesellschaft, in der es bei den rekursiven Programmen nur mehr um Macht und Gewinnoptimierungen geht (Stichwort: High Frequency Trading). PolitikerInnen müssen tatenlos zusehen, wie mit globalen Regeln lokale und soziale Strukturen zerstört werden. Das Individium wird zum Spielball weltweiter Logarithmen, die im Sinn der Aufklärung nicht mehr gestoppt werden können. Echter Chaos und Zufall sind auch Quellen unseres freien Willens und des kreativen Handelns. Mit Entwicklungen der Informationstechnologie nach der Informationstheorie von Claude Shannon wird die Welt immer deterministischer. Chaos und Zufall bestimmen immer weniger unseren Alltag. Damit verändert sich auch das Potential zu kreativem Handeln. Mit dem Verschwinden des Zufalls wird dieser auch gleichzeitig kostbarstes Gut in der Kryptografie in der Informationstechnologie und ermöglicht uns indivduelle Handlungen im Netz.

In den Arbeitsthemen des Infolabs von 2018 geht es um das Potential und den Erhalt dieser Quellen. Es geht aber auch um das Verschwinden der Echtzeitmanipulationen, die man in den Kunstinstallationen der 80iger Jahren verwendete und die scheinbar durch das Internet abgelöst wurden. Kreativität und der freie Wille sind also von einem nicht akausalem Umfeld abhängig. Dies war und ist Erfolgsrezept der Evolution. Das Ziel der Natur und Evolution scheint die Entwicklung deterministischer Information. Natur und Evolution als Gegenteil von Entropie und Chaos des Universums.

In der aufkommenden Informationsgesellschaft scheint das größte Problem für das Individuum die determinierte Weltordnung zu sein, die neue Gedanken und Utopien verhindern. Eine Lösung bietet das Infolab der STWST mit dem Verein Symposion Lindabrunn (VSL). Im Sommer und Herbst 2018 werden KünstlerInnen, AktivistInnen und TheoretikerInnen nach Lindabrunn und Linz eingeladen, um sich dort mit diesen Themen und Utopien auseinanderzusetzen.